Ich lebe in einer Stadt, die sich selbst auf eine fast so ätzende Weise für hip hält wie Berlin. Im Grunde ist Leipzig quasi Berlin in klein - mit all seinen Hundehaufen, Graffiti und DDR-Gebäuden und voll von Leuten mit - sagen wir mal überdurchschnittlicher Intelligenz - die sich für hippe Zyniker halten.
Und an alle solchen Individuen, die übrigens wieder im weltweiten Vergleich eine wirklich sehr priviligierte Position einnehmen (ihr wisst schon: weiß, meistens männlich, Bürger eines wirtschaftlich vergleichsweise starken europäischen Landes, Mitglieder der "bildungsnahen Schichten", deren beide Eltern noch friedlich in einer grünen Kleinstadt leben und ihnen bei Gelegenheit Hackbraten servieren) soll sich mein Text richten.
Zunächst ein Paar Worte zum Zynismus selbst. Zynismus ist eine Lebenshaltung, die aus der antiken griechischen philosophischen Schule des Kynismus entstanden ist. Die Philosophie der Kyniker strebte danach, den Menschen von materiellen Bedürfnissen zu befreien und sein Leben möglichst in einem Naturzustand ohne Ansprüche zu leben, sehr ähnlich der Philosophie der Stoá also. Der prominenteste Vertreter der Kyniker ist Diogenes von Sinope, der Philosoph aus der Tonne. Er hat den Kynismus begründet, da er durch seine Lebensweise als Bettler oft als Hund (Kyon) bezeichnet wurde. Vereinfach gesagt kritisierte Diogenes die Vorherrschaft der Kultur über die Natur. Und erklärte die natürlichen Triebe des Menschen als priviligiert gegenüber den Errungenschaften der Kultur (die im europäischen Raum traditionell einen höheren Stellenwert hat als Natur). Ausgehend aus diesen Prämissen, ist es verständlich, wie der heutige Begriff Zynismus sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Aus der Negation der Kultur (die ja der einzige Träger von moralischen Lehren und Werten sein kann) wird eine Negation von moralischen und kulturellen Werten selbt. Wie der Zyniker der Kultur ihren Wert aberkennt, so betrachtet er auch die moralischen Werte dieser Kultur als nichtig.
So, und wenn man etwas als nichtig erachtet, ist die beste und effektivste Art das zu zeigen, es zu verspotten. An dieser Stelle vermischt sich dann der Zynismus mit dem Sarkasmus und kommt in eine Grauzone, in der es schwer wird, diese Konzepte zu unterscheiden. Und an dieser Stelle wird es auch für den Laien schwer, den echten Zyniker von einem gewöhnlichen, spottenden Arschloch zu unterscheiden. Besonders dann, wenn das Arschloch sich auch noch selbst als Zyniker bezeichnet.
Es ist fast wie mit dem Wort Theorie. Im wissenschaftlichen Diskurs ist es ein völlig anderer Begriff als aus dem Mund der Laien. Während "Theorie" in den Naturwissenschaften ein Realitätsmodell ist, das auf objektiv bewiesenen Tatsachen aufbaut und die derzeit beste Erklärung eines Naturphänomens liefert, ist sie in der Alltagssprache mit "Hypothese" gleichzusetzen. (Was einige Evolutionstheorie-verneinende Idioten dazu bringt, zu argumentieren, dass die Evolution ja auch nur eine Theorie im Sinne von Hypothese sei, aber das ist ein anderes Thema...).
Der selbsternannte hippe Zyniker schmückt sich in den allermeisten Fällen mit zu großen Worten und ist auch nichts weiter als ein miesepetriger kleiner Pessimist. Er spottet am liebsten über etwas, woran andere glauben und worin sie einen Wert sehen, je nach dem was gerade im Trend ist (Musikrichtungen, Kunst, Literatur, Filme, Umweltschutzverhandlungen, Studentenproteste, Proteste gegen Atomkraft oder Internetzensur...) hält sich womöglich sogar für intellektuell, weil er keinen Fernseher hat und auf jeden Fall - ja auf jeden Fall - macht er es sich lieber in seinem Flohmarkt-Sessel in seiner Leipziger Altbauwohnung bequem, als an irgendeiner Art von Aktionismus teilzunehmen. Der selbsternannte Zyniker glaubt an nichts. Und er glaub auch nicht, dass irgendetwas das Nichts ändern kann. Selbst Marxisten sind da etwas optimistischer - sie mögen auch nicht an irgendwelchen Aktionismus glauben, solange ein kapitalistisches System besteht - aber sie liefern mit dem Sozialismus wenigstens einen Alternativvorschlag, während der selbsternannte Zyniker weiter in seinem Sessel sitzt und Club Mate trinkt.
Der selbsternannte Zyniker ist stolz auf seinen Zynismus und sucht immer wieder Wege, sich selbst in all seiner Herrlichkeit darzustellen, wie ein Pfau - ein rabenschwarzer Pfau. Was der selbsternannte Zyniker allerdings nicht merkt, ist dass er nur ein gewöhnlicher gerupfter und getretener Pfau ist - ein enttäuschter Idealist, ein erschöpfter Poet, ein genervter Künstler, und dass diejenigen, gegen die er spottet - die wahren Zyniker sind.
Echter Zynismus würde auch den selbsternannten Zyniker zum Weinen bringen. Denn während dieser gerade deshalb spottet, weil er noch genug Moralempfinden besitzt, um etwas als richtig oder falsch zu bewerten (und das Falsche zu verspotten), stehen echte Zyniker ganz und gar jenseits von Moral. Echte Zyniker sind Amoralisten, die längst nicht mehr ein Leben im Naturzustand anstreben, sondern nach dem größtmöglichen Vorteil für sich selbst. In Form von Macht, Geld oder Prominenz.
Beispiele gefällig?
RTL zum Beispiel ist eine Ansammlung von widerlichen Amoralisten, die Menschen von unterdurchschnittlicher Intelligenz oder solche, die am Rande zur geistigen Behinderung stehen, mit Knebelverträgen dazu zwingt, sich vor der Kamera in diversen Dokusoaps und Talkshows zu erniedrigen. Grundgesetz Artikel 1, Abastz 1? Ach nöööö...
Der Präsident meines Heimatlandes ist ein zynischer Hund, dem nichts - nicht einmal die russische Verfassung - heilig ist, der Journalisten umbringen lässt, die Verfassung ändern lässt um an der Macht zu bleiben, und die Menschen in Russland und im Westen schamlos belügt. Und wo wir schon dabei sind, dann vergessen wir auch Mahmud Ahmadinedschad und Kim Jong-un nicht.
Und natürlich dürfen hier die römisch-katholische und die russich-orthodoxe Kirche nicht fehlen (ich hab hier mal die zwei schlimmsten herausgegriffen). Die römisch-katholische, die - so reich wie sie ist - anscheinend arme Menschen - besonders die in Afrika - hasst und am besten durch AIDS ausradiert sehen möchte (oder warum wettert der Papst so gegen Kondome?). Und die russsich-orthodoxe Kirche, die - nicht weniger wohlhabend, da komplett von der russischen Regierung aufgekauft - sich am besten ein Portrait von Wladimir Putin statt eines Kreuzes um den Hals hängen sollte und es währenddessen trotzdem weiterhin wagt, als moralische Instanz aufzutreten.
Und wer möchte, noch ein fiktives Beispiel: Der Comedian aus dem Watchmen-Comic bzw. -Film ist das perfekte Beispiel eines echten amoralischen Zynikers. Ja, selbsternannte Zyniker, ich möchte mal sehen, wie ihr eine schwangere Frau erschießt und einen Vietnamesen lebendig anzündet, bevor ihr das Z-Wort auch nur in den Mund nehmt, um euch selbst damit zu "schmücken".
Ich hoffe, es ist jetzt etwas klarer, woher meine Abneigung gegenüber selbsternannten Zynikern kommt. Ich weiß, dass wir alle, wir, die Kreativen und die Denkenden alle leichter zu verletzen sind, dass wir alle spotten müssen, um uns selbst zu schützen (ich spotte auch, wie man weiß, und ich habe nie etwas anderes behauptet). Doch an dem Punkt, wenn diese Rolle plötzlich zu unserer Persönlichkeit wird, haben wir den Sinn unseres Denkens, unseres Moralempfindens irgendwie verfehlt. Verbitterung ist nicht cool. Und die verbittert-Masche ist für halbwegs intelligente Menschen leicht zu durchschauen. Und ich persönlich kann diese Rolle überhaupt nicht verstehen. Mir fällt es schwer, mich von Frustration und Verbitterung loszulösen und nicht vorzeitig zu einer selbsternannt zynischen, alten Frau zu werden. Wie kann es dann sein, dass jemand diese Rolle freiwillig annimmt?
Daher möchte ich sagen: Der hippe selbsternannte Zyniker kann so viel aus seinem Flohmarkt-Sessel über die Welt schimpfen, wie er will, er wird mir seine persönliche Schwäche, aus der heraus er seine Frustration nicht überwinden kann, niemals als cool verkaufen können. Nein, er wird in mir viel eher immer das Bedürfnis wecken, ihn mitsamt seinem Sessel aus dem Fenster zu schmeißen, am besten geradewegs in eine vorbeiziehende Studentendemo.
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Samstag, 9. Juni 2012
Montag, 28. Mai 2012
Warum eigentlich kosmischer Staub?
(Dieser Post ist eine Darstellung meiner persönlichen Glaubensposition im
Bezug auf Übernatürliches, ein Leben nach dem Tod, das Universum und den ganzen
Rest. Ich benutze den indikativen und nicht die konjunktiven Modus, weil ich
diese Welterklärung am plausibelsten finde. Sollte jemand eine andere Position
zu Übernatürlichem, einem Leben nach dem Tod oder Gott haben, dann solle er
bitte bedenken, dass ich nicht behaupte, absolute Wahrheiten auszusprechen,
sondern nur die Position, die die derzeit beste Erklärung der Realität bietet,
vertrete.)
Dieser Post mag vielleicht ein Jahr zu spät kommen, aber besser spät als
nie, nicht wahr?
Ich habe keine Ahnung, welche demographischen Gruppen sich mein kleines
Blog angucken, ich gehe aber davon aus, dass die meisten doch in einem
ähnlichen Alter und von einem ähnlichen Bildungsstand wie ich sein werden.
(Wohl weil ich die meisten meiner Leser persönlich kennen werde).
Und ich gehe einfach mal davon aus, dass der Glaube an die Urknalltheorie als
Entstehungsquelle des Universums in Deutschland recht weit verbreitet und
akzeptiert ist.
Achtung! Es folgt eine vereinfachte Darstellung von wissenschaftlichen
Tatsachen:
Jedenfalls: Die Erde besteht aus den im Periodensystem aufgeführten
chemischen Elementen. Beim Urknall, also dem Ursprung des Universums,
entstanden zunächst nur drei davon: Wasserstoff, Helium und Spuren von Lithium.
Alle anderen Elemente, deren Atomkerne schwerer als die von Wasserstoff sind,
mussten zunächst durch Kernfusionen von Atomkernen entstehen. Kernfusionen
finden in Sternen statt, was dafür sorgt, dass diese überhaupt Energie abgeben
können. Jeder Stern hat einen Lebenszyklus: Aus sich verdichtenden kosmischen
Gaswolken formt sich ein junger Stern. In dieser Lebensphase entstehen darin
leichte Elemente, dann wird er zu einem Riesenstern und es entstehen darin
immer schwerere Elemente entlang des Periodensystems bis hin zum Eisen. Nach
dem Kollaps des Sterns – in einer Supernova, wenn er genug Masse hat –
entstehen die Elemente, die schwerer als Eisen sind. Und nach einer Supernova
bleiben nur die bekannten Gas- und Staubwolken übrig, die die Elemente
enthalten, aus denen Kometen, Asteroiden, Planeten und neue Sterne entstehen können.
Und diese Sterne werden, wenn sie in einer Supernova explodieren, dann wiederum
alle Planeten um sich herum verschlingen und Wolken von kosmischem Staub hinterlassen.
Vereinfachte Darstellung von wissenschaftlichen Tatsachen - Ende.
Die Sonne wird in ca. 5 Milliarden Jahren ebenfalls kollabieren, so sagt
man. Doch bis dahin beziehen wir von ihr die Energie, die wir unbedingt als
eine der Grundvoraussetzungen für unsere Existenz brauchen. Auf einem Planeten,
der aus kosmischem Staub geformt wurde. Alle Elemente, alle Rohstoffe, alle
verarbeiteten Stoffe alle organischen Stoffe, alle Zellen von lebendigen
Organismen lassen sich auf kosmischen Staub von explodierten Sternen zurückführen: Unser Planet mit Flüssen und Bergen,
mit Müllkippen und Vulkanasche, die einst bloße Kernfusionen im Inneren von
Sternen waren, mit dem Machu Picchu, und den Pariser Katakomben, die einmal in dem
unvorstellbar kalten, sauerstoffleeren Raum irgendwo zwischen Kometen und
Asteroidenschauern vor sich hingeschwebt sind, mit Mahatma Gandhi und
Dschinghis Khan, den Beatles und dem Papst; mit Genen, die aus Materie bestehen
und Memen, die immaterielle Produkte von unseren materiellen Gehirnen sind. Unsere
"ichs" sind im Grunde nur Atome und chemische Reaktionen..?
Das ungefähre Alter des Universums ist 13,8 Milliarden Jahre, das Alter der
Erde ist c.a. 4 Milliarden Jahre, die ersten Sterne entstanden bereits eine
Milliarde Jahre nach dem Urknall und haben eine Lebenszeit von mehreren
Milliarden Jahren. Menschenähnliche Wesen dagegen (Gattung Homo) gibt es erst
seit ca. 2,5 Millionen Jahren, den Homo Sapiens, seit ca. 200.000 Jahren. Das
sind 0,00005 von 4 Milliarden = 0,005 % der Zeit, die die Erde existiert. Und
wir reden hier von der Existenz des modernen Menschen, noch nicht von der
Existenz irgendwelcher Menschenkulturen, denn deren erste Nachweise gehen etwa
40.000 Jahre zurück. Wir sehen also: Nicht nur die Dauer eines einzelnen menschlichen
Lebens, sondern auch die gesamte Menschheitsgeschichte, die es schon gegeben
hat, und die es noch geben wird, ist ein unbedeutender Funke von Leben auf
einem verlorenen Planeten neben einem kleinen Stern in einem Universum, dessen
Grenzen oder Ursprung unbekannt sind und vielleicht niemals eindeutig bekannt
sein werden, wo jeder einzelne von den unzähligen Sternen, die Gesamtheit
unserer Existenz mit Leichtigkeit überlebt bzw. überleben wird. Na wenn das
einen nicht mit Selbstbewusstsein füllt..?
Milliarden von Sternen sind um das tausendfache größer als die Sonne, und
sie sind alle ein Teil der Milchstraße, die wiederum nur eine von unzähligen
Galaxien in einem von [ich habe wirklich
keine Vorstellung von wie vielen] Galaxiehaufen ist. Nicht nur hat die
Dauer unseres Lebens keine Bedeutung, auch unsere Größe ist im richtigen
Verhältnis nicht nur nicht bedeutend, sondern quasi nicht existent. (Ich weiß,
dass das keine neuen und revolutionären Konzepte sind, trotzdem möchte ich
daran erinnern, da wir die relative Größe unserer Existenz oftmals vergessen)
Für uns ist unser Leben, das heißt die Lebensperiode unseres Gehirns, eine
ganze Ewigkeit, weil wir keine Existenz davor und darüber hinaus erfahren
können, doch aus der richtigen zeitlichen und räumlichen Perspektive betrachtet
sind wir nicht einmal eine vorübergehende, denkende und redende Anordnung von
kosmischem Staub. Wir sind kosmischer Staub. Man könnte behaupten, dass wir
rein biologisch gesehen zwar ein paar Mal wiedergeboren werden, denn wenn wir
sterben, entsteht aus den Atomen unserer toten Körper neue Biomasse die durch
metabolische Prozesse zum Bestandteil von Körpern von anderen Organismen wird.
Doch spätestens dann, wenn die Sonne unseren Planeten verschlingt und
explodiert oder anderweitig zerstört wird, kehren wir zu unserem Ursprungszustand
als kosmischer Staub zurück, und dann werden aus uns vielleicht neue Sterne
geformt. Und wenn uns niemand vermissen wird, was hat es dann für eine
Bedeutung, wenn wir verschwinden?
Das mag nihilistisch klingen, die Perspektive eines einzigen, zeitlich
begrenzten Lebens, die durch Wissenschaft immer weniger glaubwürdige Aussicht
auf ein Lebens nach dem Tod, die Einsamkeit im Universum ohne einen schützenden
und bewachenden Gott (weder theisitschen noch deistischen oder pantheistischen/panentheistischen),
doch das soll es keinesfalls, im Gegenteil: Ist es nicht fast ein Wunder, dass
sich aus diesem heißen Chaos, aus Milliarden von Partikeln nach Milliarden von
Jahren, eine denkende, fühlende und schöpfende Einheit zusammengefunden hat?
(Und nicht nur eine solche, sondern auch eine krabbelnde, kriechende,
schwimmende oder fliegende Einheit). Erscheint ein kurzes und begrenztes Leben,
nicht als eine viel wertvollere Gabe im Vergleich zu einer Aussicht auf eine
Ewigkeit nach der anderen und noch einer und noch einer hinterher mit nichts
anderem als sich selbst? Und ist das Konzept des ewigen Lebens und dieses ganze
Gott-Ding nicht sowieso bloß die größenwahnsinnig gewordene, aber im Grunde
ganz menschliche, Angst vor dem Tod? Das Bewusstsein der eigenen Sterblichkeit
gibt dem Leben eine Bedeutung, es gibt ihm einen Zweck, es gibt ihm
Dringlichkeit. Und in uns sollte es die Ambition wecken, es wenigstens zu
leben, es heute und hier zu leben, bevor wir wieder in der ewigen und
ungewissen Nichtexistenz verschwinden.
Und mit diesem Bewusstsein wäre es eine Verschwendung meines Lebens, meine
Talente nicht zu nutzen, und mein Leben nicht auch dazu zu nutzen, mir
Projekte, aber auch hedonistische Dinge vorzunehmen, die bloße Existenz zu
reflektieren und in Kunst wiederzugeben. Und das Blog wiederum, das soll mich
mit seinem Bestehen und seinem Design daran erinnern, alles zu malen und zu
schreiben, was ich noch kann, bevor das ich, was ich bin, irgendwann zuerst in
diverse andere ichs und dann in kosmischen Staub zerfällt.
P.S.: Für alle, die es interessiert: hier ist ein interaktives Tool, das ein wenig die Proportionen des Universums erklärt. (Das Laden kann etwas länger dauern)
Mittwoch, 21. Dezember 2011
Weltuntergangsstimmung
In genau einem Jahr wird die Welt laut des berühmten Maya-Kalender übrigens mal wieder untergehen.
Es wäre schön, wenn diese Religion sich mal nicht so irren würde, wie das Christentum, das immerhin dieses Jahr ganze zwei Mal mit dem Weltuntergang daneben lag. Hehe... wer braucht schon Atommüll, Massentierhaltung, Überbevölkerung und Sybille Berg? Und außerdem geht die Welt doch eh jedes Jahr unter, besser gesagt - der Teil, in dem wir leben.
Die Industrienationen beheimaten laut des Happy Planet Index zwar die gesündesten, reichsten und wohlgenährtesten Menschen, aber diese leben nicht besonders glücklich oder ökologisch - sondern eher in großstädtischen Legebatterien und/oder sind sehr unentspannt von dem ganzen Workout auf der Hedonismus-Tretmühle. Die Menschen werden und werden nicht glücklich. Vieles hat sicherlich auch mit dem Licht zu tun: Der Dezember ist auf der Nordhalbkugel ein eher düsterer Monat, und wenn dann noch ständig die Welt untergeht ist ganz schön gruselig. Die Menschen können also nicht anders als völlig auszurasten. Und dann kommt, was kommen muss - Weihnachten und Silvester.
Fisternis: Zuerst stirbt die Sonne endgültig. Denn jeder guter Weltuntergang beginnt mit dem Tod der Sonne oder zumindest einer ordentlichen Sonnenfinsternis. Verzweifelt versuchen die Menschen, das Licht mit hässlichen Lichterketten-Rentieren am Leben zu erhalten, aber viel tun können sie nicht. Ist das Licht (= Gott) erst einmal abgemurkst, kommt der nächste Schritt.
Hysterie: DieSchafe Menschen geraten in Panik und rennen wild durcheinander, schubsen und beschimpfen sich, hassen sich und schauen sich gegenseitig misstrauisch an - bevorzugt auf Weihnachtsmärkten und in Einkaufszentern, um sich auf ihre nächste verzweifelte Handlung vorzubereiten.
Orgien: Es folgt der letzte Sinnesrausch - das Gieren, das Fressen und das Ficken. Und wenn das Geschenkpapier in die Altpapiertonne gestopft, die Gans verzehrt und das stille Nümmerchen geschoben wurde, haben sich die Menschen erst einmal beruhigt, resignieren und schauen ihrem Untergang gelassen entgegen. Vielleicht werden sie sogar noch einmal nachdenklich.
Reflexion: Eine denkende Minderheit von Menschen blickt nun zurück und fragt sich sogar, ob ihr Leben diesmal einen Sinn gehabt hatte. Einige Individuen wollen als schönere, schlankere und klügere Wesen wiedergeboren werden, zum Beispiel als Schmetterlinge, Geparden oder Elefanten. Ist das Sinnieren zuende, sind die Menschen optimal auf die Apokalypse vorbereitet.
Apokalypse: Der Weltuntergang kommt mit großem Knallen, Rauch und Feuer- und Schwefelregen. Die Menschen sammeln sich in kleinere oder größere Grüppchen, um Zeugen davon zu sein. Manche bekämpfen ihre Angst mit einem Rausch, andere mit Tee und andere versuchen, friedlich im Schlaf zu sterben. Am nächsten Morgen ist es jedenfalls still und leer.
Genesis: Die Menschheit hat sich aber verschätzt. Gott lebt noch und die Apokalypse war nur ein kleines Feuerwerk. Die Menschen werden allerdings wie erhofft durchaus wiedergeboren - die meisten von ihnen nur nicht als Schmetterlinge, sondern als Hornochsen.
Ich selbst versuche die preapokalyptische Hysterie und Ausschweifung weitgehend zu ignorieren, einen guten Weltuntergang lasse ich mir aber nicht entgehen, aber, ich glaube, auch der könnte irgendwann mal langweilig werden. Daher wären die Maya mit ihrem Weltuntergang mal eine willkommene Abwechslung. Vielleicht kann man Sybille Berg dann wirklich ein für alle Mal loswerden.
Es wäre schön, wenn diese Religion sich mal nicht so irren würde, wie das Christentum, das immerhin dieses Jahr ganze zwei Mal mit dem Weltuntergang daneben lag. Hehe... wer braucht schon Atommüll, Massentierhaltung, Überbevölkerung und Sybille Berg? Und außerdem geht die Welt doch eh jedes Jahr unter, besser gesagt - der Teil, in dem wir leben.
Die Industrienationen beheimaten laut des Happy Planet Index zwar die gesündesten, reichsten und wohlgenährtesten Menschen, aber diese leben nicht besonders glücklich oder ökologisch - sondern eher in großstädtischen Legebatterien und/oder sind sehr unentspannt von dem ganzen Workout auf der Hedonismus-Tretmühle. Die Menschen werden und werden nicht glücklich. Vieles hat sicherlich auch mit dem Licht zu tun: Der Dezember ist auf der Nordhalbkugel ein eher düsterer Monat, und wenn dann noch ständig die Welt untergeht ist ganz schön gruselig. Die Menschen können also nicht anders als völlig auszurasten. Und dann kommt, was kommen muss - Weihnachten und Silvester.
Fisternis: Zuerst stirbt die Sonne endgültig. Denn jeder guter Weltuntergang beginnt mit dem Tod der Sonne oder zumindest einer ordentlichen Sonnenfinsternis. Verzweifelt versuchen die Menschen, das Licht mit hässlichen Lichterketten-Rentieren am Leben zu erhalten, aber viel tun können sie nicht. Ist das Licht (= Gott) erst einmal abgemurkst, kommt der nächste Schritt.
Hysterie: Die
Orgien: Es folgt der letzte Sinnesrausch - das Gieren, das Fressen und das Ficken. Und wenn das Geschenkpapier in die Altpapiertonne gestopft, die Gans verzehrt und das stille Nümmerchen geschoben wurde, haben sich die Menschen erst einmal beruhigt, resignieren und schauen ihrem Untergang gelassen entgegen. Vielleicht werden sie sogar noch einmal nachdenklich.
Reflexion: Eine denkende Minderheit von Menschen blickt nun zurück und fragt sich sogar, ob ihr Leben diesmal einen Sinn gehabt hatte. Einige Individuen wollen als schönere, schlankere und klügere Wesen wiedergeboren werden, zum Beispiel als Schmetterlinge, Geparden oder Elefanten. Ist das Sinnieren zuende, sind die Menschen optimal auf die Apokalypse vorbereitet.
Apokalypse: Der Weltuntergang kommt mit großem Knallen, Rauch und Feuer- und Schwefelregen. Die Menschen sammeln sich in kleinere oder größere Grüppchen, um Zeugen davon zu sein. Manche bekämpfen ihre Angst mit einem Rausch, andere mit Tee und andere versuchen, friedlich im Schlaf zu sterben. Am nächsten Morgen ist es jedenfalls still und leer.
Genesis: Die Menschheit hat sich aber verschätzt. Gott lebt noch und die Apokalypse war nur ein kleines Feuerwerk. Die Menschen werden allerdings wie erhofft durchaus wiedergeboren - die meisten von ihnen nur nicht als Schmetterlinge, sondern als Hornochsen.
Ich selbst versuche die preapokalyptische Hysterie und Ausschweifung weitgehend zu ignorieren, einen guten Weltuntergang lasse ich mir aber nicht entgehen, aber, ich glaube, auch der könnte irgendwann mal langweilig werden. Daher wären die Maya mit ihrem Weltuntergang mal eine willkommene Abwechslung. Vielleicht kann man Sybille Berg dann wirklich ein für alle Mal loswerden.
Montag, 10. Oktober 2011
Gebet an den leeren Himmel
Würde ich an Gott glauben, könnte ein Gebet von mir so aussehen. Aber ich bin ungläubig. Stattdessen stelle ich diese Fragen demjenigen, der das liest, wer auch immer es sein mag:
Wie soll ich überhaupt ein guter Mensch sein können?
Wie soll ich kein Essen verschwenden, wenn Restaurants, Hotells, Messen jeden Tag mehrere Biotonnen voller gutem Essen wegwerfen? Und zwar nachdem davon schon alle Kellner und Küchenhilfen zu Abend gegessen haben?
Wie soll ich Wasser sparen, wenn ein Kilo Rindfleisch in der Herstellung 15.000 Liter Wasser verbraucht und die Rinder in Massentierhaltungen nach wie vor zu tausenden gehalten werden?
Um beim Thema zu bleben: Wie soll ich meinen Fleischkonsum einschränken, wenn im Sommer im Park 15 Grills um mich rumstehen und bei McDonalds jede Samstagnacht eine Riesenschlange von Menschen auf Burger wartet?
Wie soll ich die Umwelt schützen, wenn in China Quecksilberflüsse fließen, Russland seine Taiga für Küchenpapier verkauft und für die bereits oben erwähnten Rinder ständig neues Weideland freigemacht werden muss?
Wie soll ich keine Ressourcen verschwenden; kein Konsumopfer sein und nicht jedes sinnlose Stück neuer Technik, hergestellt mit wertvollem Erdöl, kaufen wenn Millionen von Apple-Zombies wieder vor dem Glaswürfel auf das neuste Produkt warten?
Wie soll ich die Erde nicht überbevölkern, wenn das globale Bevölkerungswachstum 2,45 Menschen pro Sekunde beträgt und in weniger als einem halben Jahr 7 Millionen Menschen auf der Welt leben werden?
Wie soll ich niemandem Schaden zufügen, wenn sich Menschen in Lybien und Syrien nach wie vor gegenseitig umbringen, verstümmeln und vergewaltigen wie eigentlich auch überall sonst seit tausenden von Jahren?
Die Welt ist so unvollkommen. Die Welt ist so zerbrechich. Die Welt ist nur das kleine bisschen Kriechen auf einer dünnen Kruste eines winzigen blauen Punktes im Universum. Das ist alles Leben, was jemals existiert hat. Es wird sich selbst verzehren. Und ich bin ein Teil davon. Ich kann nichts dagegen tun.
Wie soll ich überhaupt ein guter Mensch sein können?
Wie soll ich kein Essen verschwenden, wenn Restaurants, Hotells, Messen jeden Tag mehrere Biotonnen voller gutem Essen wegwerfen? Und zwar nachdem davon schon alle Kellner und Küchenhilfen zu Abend gegessen haben?
Wie soll ich Wasser sparen, wenn ein Kilo Rindfleisch in der Herstellung 15.000 Liter Wasser verbraucht und die Rinder in Massentierhaltungen nach wie vor zu tausenden gehalten werden?
Um beim Thema zu bleben: Wie soll ich meinen Fleischkonsum einschränken, wenn im Sommer im Park 15 Grills um mich rumstehen und bei McDonalds jede Samstagnacht eine Riesenschlange von Menschen auf Burger wartet?
Wie soll ich die Umwelt schützen, wenn in China Quecksilberflüsse fließen, Russland seine Taiga für Küchenpapier verkauft und für die bereits oben erwähnten Rinder ständig neues Weideland freigemacht werden muss?
Wie soll ich keine Ressourcen verschwenden; kein Konsumopfer sein und nicht jedes sinnlose Stück neuer Technik, hergestellt mit wertvollem Erdöl, kaufen wenn Millionen von Apple-Zombies wieder vor dem Glaswürfel auf das neuste Produkt warten?
Wie soll ich die Erde nicht überbevölkern, wenn das globale Bevölkerungswachstum 2,45 Menschen pro Sekunde beträgt und in weniger als einem halben Jahr 7 Millionen Menschen auf der Welt leben werden?
Wie soll ich niemandem Schaden zufügen, wenn sich Menschen in Lybien und Syrien nach wie vor gegenseitig umbringen, verstümmeln und vergewaltigen wie eigentlich auch überall sonst seit tausenden von Jahren?
Die Welt ist so unvollkommen. Die Welt ist so zerbrechich. Die Welt ist nur das kleine bisschen Kriechen auf einer dünnen Kruste eines winzigen blauen Punktes im Universum. Das ist alles Leben, was jemals existiert hat. Es wird sich selbst verzehren. Und ich bin ein Teil davon. Ich kann nichts dagegen tun.
Donnerstag, 1. September 2011
Dienstag, 12. Juli 2011
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