Ich lebe in einer Stadt, die sich selbst auf eine fast so ätzende Weise für hip hält wie Berlin. Im Grunde ist Leipzig quasi Berlin in klein - mit all seinen Hundehaufen, Graffiti und DDR-Gebäuden und voll von Leuten mit - sagen wir mal überdurchschnittlicher Intelligenz - die sich für hippe Zyniker halten.
Und an alle solchen Individuen, die übrigens wieder im weltweiten Vergleich eine wirklich sehr priviligierte Position einnehmen (ihr wisst schon: weiß, meistens männlich, Bürger eines wirtschaftlich vergleichsweise starken europäischen Landes, Mitglieder der "bildungsnahen Schichten", deren beide Eltern noch friedlich in einer grünen Kleinstadt leben und ihnen bei Gelegenheit Hackbraten servieren) soll sich mein Text richten.
Zunächst ein Paar Worte zum Zynismus selbst. Zynismus ist eine Lebenshaltung, die aus der antiken griechischen philosophischen Schule des Kynismus entstanden ist. Die Philosophie der Kyniker strebte danach, den Menschen von materiellen Bedürfnissen zu befreien und sein Leben möglichst in einem Naturzustand ohne Ansprüche zu leben, sehr ähnlich der Philosophie der Stoá also. Der prominenteste Vertreter der Kyniker ist Diogenes von Sinope, der Philosoph aus der Tonne. Er hat den Kynismus begründet, da er durch seine Lebensweise als Bettler oft als Hund (Kyon) bezeichnet wurde. Vereinfach gesagt kritisierte Diogenes die Vorherrschaft der Kultur über die Natur. Und erklärte die natürlichen Triebe des Menschen als priviligiert gegenüber den Errungenschaften der Kultur (die im europäischen Raum traditionell einen höheren Stellenwert hat als Natur). Ausgehend aus diesen Prämissen, ist es verständlich, wie der heutige Begriff Zynismus sich im Laufe der Zeit entwickelt hat. Aus der Negation der Kultur (die ja der einzige Träger von moralischen Lehren und Werten sein kann) wird eine Negation von moralischen und kulturellen Werten selbt. Wie der Zyniker der Kultur ihren Wert aberkennt, so betrachtet er auch die moralischen Werte dieser Kultur als nichtig.
So, und wenn man etwas als nichtig erachtet, ist die beste und effektivste Art das zu zeigen, es zu verspotten. An dieser Stelle vermischt sich dann der Zynismus mit dem Sarkasmus und kommt in eine Grauzone, in der es schwer wird, diese Konzepte zu unterscheiden. Und an dieser Stelle wird es auch für den Laien schwer, den echten Zyniker von einem gewöhnlichen, spottenden Arschloch zu unterscheiden. Besonders dann, wenn das Arschloch sich auch noch selbst als Zyniker bezeichnet.
Es ist fast wie mit dem Wort Theorie. Im wissenschaftlichen Diskurs ist es ein völlig anderer Begriff als aus dem Mund der Laien. Während "Theorie" in den Naturwissenschaften ein Realitätsmodell ist, das auf objektiv bewiesenen Tatsachen aufbaut und die derzeit beste Erklärung eines Naturphänomens liefert, ist sie in der Alltagssprache mit "Hypothese" gleichzusetzen. (Was einige Evolutionstheorie-verneinende Idioten dazu bringt, zu argumentieren, dass die Evolution ja auch nur eine Theorie im Sinne von Hypothese sei, aber das ist ein anderes Thema...).
Der selbsternannte hippe Zyniker schmückt sich in den allermeisten Fällen mit zu großen Worten und ist auch nichts weiter als ein miesepetriger kleiner Pessimist. Er spottet am liebsten über etwas, woran andere glauben und worin sie einen Wert sehen, je nach dem was gerade im Trend ist (Musikrichtungen, Kunst, Literatur, Filme, Umweltschutzverhandlungen, Studentenproteste, Proteste gegen Atomkraft oder Internetzensur...) hält sich womöglich sogar für intellektuell, weil er keinen Fernseher hat und auf jeden Fall - ja auf jeden Fall - macht er es sich lieber in seinem Flohmarkt-Sessel in seiner Leipziger Altbauwohnung bequem, als an irgendeiner Art von Aktionismus teilzunehmen. Der selbsternannte Zyniker glaubt an nichts. Und er glaub auch nicht, dass irgendetwas das Nichts ändern kann. Selbst Marxisten sind da etwas optimistischer - sie mögen auch nicht an irgendwelchen Aktionismus glauben, solange ein kapitalistisches System besteht - aber sie liefern mit dem Sozialismus wenigstens einen Alternativvorschlag, während der selbsternannte Zyniker weiter in seinem Sessel sitzt und Club Mate trinkt.
Der selbsternannte Zyniker ist stolz auf seinen Zynismus und sucht immer wieder Wege, sich selbst in all seiner Herrlichkeit darzustellen, wie ein Pfau - ein rabenschwarzer Pfau. Was der selbsternannte Zyniker allerdings nicht merkt, ist dass er nur ein gewöhnlicher gerupfter und getretener Pfau ist - ein enttäuschter Idealist, ein erschöpfter Poet, ein genervter Künstler, und dass diejenigen, gegen die er spottet - die wahren Zyniker sind.
Echter Zynismus würde auch den selbsternannten Zyniker zum Weinen bringen. Denn während dieser gerade deshalb spottet, weil er noch genug Moralempfinden besitzt, um etwas als richtig oder falsch zu bewerten (und das Falsche zu verspotten), stehen echte Zyniker ganz und gar jenseits von Moral. Echte Zyniker sind Amoralisten, die längst nicht mehr ein Leben im Naturzustand anstreben, sondern nach dem größtmöglichen Vorteil für sich selbst. In Form von Macht, Geld oder Prominenz.
Beispiele gefällig?
RTL zum Beispiel ist eine Ansammlung von widerlichen Amoralisten, die Menschen von unterdurchschnittlicher Intelligenz oder solche, die am Rande zur geistigen Behinderung stehen, mit Knebelverträgen dazu zwingt, sich vor der Kamera in diversen Dokusoaps und Talkshows zu erniedrigen. Grundgesetz Artikel 1, Abastz 1? Ach nöööö...
Der Präsident meines Heimatlandes ist ein zynischer Hund, dem nichts - nicht einmal die russische Verfassung - heilig ist, der Journalisten umbringen lässt, die Verfassung ändern lässt um an der Macht zu bleiben, und die Menschen in Russland und im Westen schamlos belügt. Und wo wir schon dabei sind, dann vergessen wir auch Mahmud Ahmadinedschad und Kim Jong-un nicht.
Und natürlich dürfen hier die römisch-katholische und die russich-orthodoxe Kirche nicht fehlen (ich hab hier mal die zwei schlimmsten herausgegriffen). Die römisch-katholische, die - so reich wie sie ist - anscheinend arme Menschen - besonders die in Afrika - hasst und am besten durch AIDS ausradiert sehen möchte (oder warum wettert der Papst so gegen Kondome?). Und die russsich-orthodoxe Kirche, die - nicht weniger wohlhabend, da komplett von der russischen Regierung aufgekauft - sich am besten ein Portrait von Wladimir Putin statt eines Kreuzes um den Hals hängen sollte und es währenddessen trotzdem weiterhin wagt, als moralische Instanz aufzutreten.
Und wer möchte, noch ein fiktives Beispiel: Der Comedian aus dem Watchmen-Comic bzw. -Film ist das perfekte Beispiel eines echten amoralischen Zynikers. Ja, selbsternannte Zyniker, ich möchte mal sehen, wie ihr eine schwangere Frau erschießt und einen Vietnamesen lebendig anzündet, bevor ihr das Z-Wort auch nur in den Mund nehmt, um euch selbst damit zu "schmücken".
Ich hoffe, es ist jetzt etwas klarer, woher meine Abneigung gegenüber selbsternannten Zynikern kommt. Ich weiß, dass wir alle, wir, die Kreativen und die Denkenden alle leichter zu verletzen sind, dass wir alle spotten müssen, um uns selbst zu schützen (ich spotte auch, wie man weiß, und ich habe nie etwas anderes behauptet). Doch an dem Punkt, wenn diese Rolle plötzlich zu unserer Persönlichkeit wird, haben wir den Sinn unseres Denkens, unseres Moralempfindens irgendwie verfehlt. Verbitterung ist nicht cool. Und die verbittert-Masche ist für halbwegs intelligente Menschen leicht zu durchschauen. Und ich persönlich kann diese Rolle überhaupt nicht verstehen. Mir fällt es schwer, mich von Frustration und Verbitterung loszulösen und nicht vorzeitig zu einer selbsternannt zynischen, alten Frau zu werden. Wie kann es dann sein, dass jemand diese Rolle freiwillig annimmt?
Daher möchte ich sagen: Der hippe selbsternannte Zyniker kann so viel aus seinem Flohmarkt-Sessel über die Welt schimpfen, wie er will, er wird mir seine persönliche Schwäche, aus der heraus er seine Frustration nicht überwinden kann, niemals als cool verkaufen können. Nein, er wird in mir viel eher immer das Bedürfnis wecken, ihn mitsamt seinem Sessel aus dem Fenster zu schmeißen, am besten geradewegs in eine vorbeiziehende Studentendemo.
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Samstag, 9. Juni 2012
Mittwoch, 25. April 2012
Frigide Akademikerinnen, so ironisch, ich kotze ab.
So, jetzt aber mal ein anderes Thema. (Ich vermeide es normalerweise in dem Blog hier, über Politik zu reden, aber das ist ja ein genderrelavantes Thema, zu dem ich wiederum gern mal ein bisschen meinen Meerrettich dazu gebe).
Die Bundeskanzlerin hat also heute ein Machtwort gesprochen und uns bis Sommer 2013 eine Herdprämie versprochen.
Dabei heißt es, dass die Frauen ja nicht drauf verzichten müssen, ihre kleinen Kinder früh in die Kinderkrippen zu geben, aber dafür entlohnt werden sollen, wenn sie freiwillig darauf verzichten. Ist das nicht eine hinterlistige Strategie? Es erinnert mich ein wenig an die gesetzliche Lage zum Schwangerschaftsabbruch: Der ist in Deutschland theoretisch auch mit Freiheitsstrafe bedroht aber praktisch straffrei. Es droht in den allermeisten Fällen keine gesetzliche Strafe, wenn eine Frau eine Abtreibung vornehmen lässt, aber sie ist im bürgerlichen Strafgesetzbuch (§218ff.) sehr wohl eine Straftat. Ein Verbrechen. Und für Verbrechen soll man sich schämen...
Egal, zurück zur Herdprämie: Ich finde, hier wird ein ähnlicher moralischer Druck auf Frauen geschaffen wie bei der Abtreibung. Bei der Abtreibung wird etwas, was "falsch" ist, nicht bestraft, bei der Herdprämie wird etwas, was nicht richtig ist, "belohnt". Wenn man schon rechtlich nicht durchgreifen kann, und alle dazu zwingen kann, gefälligt zu gebären und die Kindchen dann auch noch drei Jahre lang zuhause zu erziehen, kann man sagen: "Aber, wenn du die Schwangerschaft nicht abbrichst, dann begehst du keine Straftat"; "Und wenn du es dem Staat und den Unternehmen in Fragen der Kinderbetreuung einfach machst, für die Kindererziehung auch noch einfach mal drei Jahre vom Arbeitsmarkt wegbleibst, dich in der Zeit für ihn unbrauchbar machst, damit eventuelle Karriereträume killst, weil du unbedingt Kinder haben wolltest, dann geben wir dir 150 € pro Monat!"
Mensch, jetzt hab ich mich aber für einen Moment vergessen. Aber mal ehrlich, die Herdprämie wird zurecht als rückständig kritisiert, es werden hier nämlich staatliche Gelder in ein Modell aus der Vergangenheit investiert anstatt für Frauen Möglichkeiten zu schaffen, Karriere und Familiengründungspläne besser zu vereinbaren. Manche Jobs erfordern keine großen Fachkenntnisse und können nach ein Paar Jahren Kinderbetreuung sicher wieder aufgenommen werden, aber eine gut ausgebildete Fachkraft könnte es sich nicht leisten, sich zu lange nur mit Babybrei aufzuhalten und zu viele Seminare und Softwareneuerungen und Konferenzen und Produktschulungen (und Rechtschreibreformen) zu verpassen. Jaja... die frigiden Akademikerinnen in Deutschland kriegen sowieso alle zu wenig Kinder und dann will man sie auch noch auf eine so kontraproduktive Weise mit der Herdprämie beleidigen. Ich kotze ab. Vor ironischem Lachen.
Es ist doch so: Glückliche Eltern sind bessere Eltern als unglückliche. Und ich denke, dass viele Frauen glücklich sind, wenn sie eine gute Ausbildung genießen können und einem Beruf nachgehen können, der ihre Talente fördert. Aber viele Frauen haben Angst davor, dass ihnen diese Möglichkeit genommen wird, wenn sie es wagen sollten, ein Kind zu kriegen. Dass sie in ihrem Berufsleben dann nie richtige Ziele erreichen, weil sie für ihr Baby vielleicht keine Betreuung finden und zuerst in der Herdprämienhölle dahindümpeln und dann aufgrund verpasster Zusatzqualifikationen nur noch einen - sorry für den Ausdruck - Scheißjob haben. Um ihnen diese Angst zu nehmen (und mehr von ihnen dazu zu bewegen, sich nun der - komischerweise vom Staat so begehrten - Nachwuchsproduktion zu widmen), ist es doch gerade förderlich, ihnen aufzuzeigen, dass man sich familienpolitisch in eine Richtung bewegt, die ihnen im Falle einer Geburt den Karrieretod erspart. Ja, damit meine ich zum Beispiel die begrüßenswerte Forderung der Grünen und der Linken, mehr Kinderkrippenplätze zu schaffen. mehr Möglichkeiten, Karriere und Familienplanung zu verbinden, mehr Möglichkeiten, Eltern glücklicher zu machen. Da ist es doch geradezu absurd, sich mit dem Konzept der Herdprämie in die Gegenrichtung zu bewegen. Kurz gesagt: Wenn die frigiden Akademikerinnen jetzt noch weniger Lust auf gebären haben, ist die Angela aber selber schuld.
Und von der ganzen Biedermeier-Nostalgie der konservativen Parteien mal abgesehen: Was ist denn mit frühkindlicher Sozialisation? Ok, es gibt sicher sicher auch andere Mütter auf dem Spielplatz und deren Kinder sind dann die Sandkastenbuddys, aber was ist eigentlich mit faulen Müttern, die ein bisschen Extrageld abgreifen wollen und ihre Kinder vor dem Fernseher parken? (Jetzt ist nicht die Zeit für political correctnes, wir wissen alle, dass es solche gibt). Und was ist mit Müttern, die nicht sehr gut Deutsch sprechen? (Zugegeben, den Deutschunterricht, den kann auch der Fernseher übernehmen.), Aber trotzdem: Wäre eine frühkindliche Sozialisation in einem anderen Umfeld als dem Häuslichen in beiden Fällen nicht sogar ganz gut? Und außerdem: Warum immer gleich den kommunistischen, religiös-traditionell-geprägte-Familienmodelle-zerstörenden Dämon in einer Kinderkrippe sehen? Warum nicht die Möglichkeit der Sozialisation darin sehen? Oder kriegen die Mütter ihre Babys wirklich soooo selten zu sehen?
Egal, wie auch immer, ich kann diese Fragen nicht beantworten. Ich wollte vielmehr gegen ein rückständiges Konzept lamentieren. Heute mal ohne aufwendige Metaphernkonzepte oder viele Sprachbilder oder sonstige Schnörkel. Ich muss sagen, ich fühle ich mich von der Herdprämie doch persönlich beleidigt, auch wenn sie mich wahrscheinlich nicht betreffen wird. Und ironischerweise sind genau solche Konzepte, wie die Herdprämie (die ja das Kinderkriegen attraktiver machen sollte) ein weiterer Grund dafür, dass sie mich wahrscheinlich nicht betreffen wird.
Und ironischerweise wird dieses Konzept auch noch von einer frigiden*, kinderlosen Akademikerin abgesegnet. Man, die Welt ist heute glatt so ironisch, ich kotze ab.
*ich weiß natürlich nichts über die Libido der Bundeskanzlerin (und will auch nichts darüber wissen), es hat hier nur ganz gut in das sprachliche Bild gepasst und ich hab den Ausdruck aus stillistischen Gründen verwendet.
Die Bundeskanzlerin hat also heute ein Machtwort gesprochen und uns bis Sommer 2013 eine Herdprämie versprochen.
Dabei heißt es, dass die Frauen ja nicht drauf verzichten müssen, ihre kleinen Kinder früh in die Kinderkrippen zu geben, aber dafür entlohnt werden sollen, wenn sie freiwillig darauf verzichten. Ist das nicht eine hinterlistige Strategie? Es erinnert mich ein wenig an die gesetzliche Lage zum Schwangerschaftsabbruch: Der ist in Deutschland theoretisch auch mit Freiheitsstrafe bedroht aber praktisch straffrei. Es droht in den allermeisten Fällen keine gesetzliche Strafe, wenn eine Frau eine Abtreibung vornehmen lässt, aber sie ist im bürgerlichen Strafgesetzbuch (§218ff.) sehr wohl eine Straftat. Ein Verbrechen. Und für Verbrechen soll man sich schämen...
Egal, zurück zur Herdprämie: Ich finde, hier wird ein ähnlicher moralischer Druck auf Frauen geschaffen wie bei der Abtreibung. Bei der Abtreibung wird etwas, was "falsch" ist, nicht bestraft, bei der Herdprämie wird etwas, was nicht richtig ist, "belohnt". Wenn man schon rechtlich nicht durchgreifen kann, und alle dazu zwingen kann, gefälligt zu gebären und die Kindchen dann auch noch drei Jahre lang zuhause zu erziehen, kann man sagen: "Aber, wenn du die Schwangerschaft nicht abbrichst, dann begehst du keine Straftat"; "Und wenn du es dem Staat und den Unternehmen in Fragen der Kinderbetreuung einfach machst, für die Kindererziehung auch noch einfach mal drei Jahre vom Arbeitsmarkt wegbleibst, dich in der Zeit für ihn unbrauchbar machst, damit eventuelle Karriereträume killst, weil du unbedingt Kinder haben wolltest, dann geben wir dir 150 € pro Monat!"
Mensch, jetzt hab ich mich aber für einen Moment vergessen. Aber mal ehrlich, die Herdprämie wird zurecht als rückständig kritisiert, es werden hier nämlich staatliche Gelder in ein Modell aus der Vergangenheit investiert anstatt für Frauen Möglichkeiten zu schaffen, Karriere und Familiengründungspläne besser zu vereinbaren. Manche Jobs erfordern keine großen Fachkenntnisse und können nach ein Paar Jahren Kinderbetreuung sicher wieder aufgenommen werden, aber eine gut ausgebildete Fachkraft könnte es sich nicht leisten, sich zu lange nur mit Babybrei aufzuhalten und zu viele Seminare und Softwareneuerungen und Konferenzen und Produktschulungen (und Rechtschreibreformen) zu verpassen. Jaja... die frigiden Akademikerinnen in Deutschland kriegen sowieso alle zu wenig Kinder und dann will man sie auch noch auf eine so kontraproduktive Weise mit der Herdprämie beleidigen. Ich kotze ab. Vor ironischem Lachen.
Es ist doch so: Glückliche Eltern sind bessere Eltern als unglückliche. Und ich denke, dass viele Frauen glücklich sind, wenn sie eine gute Ausbildung genießen können und einem Beruf nachgehen können, der ihre Talente fördert. Aber viele Frauen haben Angst davor, dass ihnen diese Möglichkeit genommen wird, wenn sie es wagen sollten, ein Kind zu kriegen. Dass sie in ihrem Berufsleben dann nie richtige Ziele erreichen, weil sie für ihr Baby vielleicht keine Betreuung finden und zuerst in der Herdprämienhölle dahindümpeln und dann aufgrund verpasster Zusatzqualifikationen nur noch einen - sorry für den Ausdruck - Scheißjob haben. Um ihnen diese Angst zu nehmen (und mehr von ihnen dazu zu bewegen, sich nun der - komischerweise vom Staat so begehrten - Nachwuchsproduktion zu widmen), ist es doch gerade förderlich, ihnen aufzuzeigen, dass man sich familienpolitisch in eine Richtung bewegt, die ihnen im Falle einer Geburt den Karrieretod erspart. Ja, damit meine ich zum Beispiel die begrüßenswerte Forderung der Grünen und der Linken, mehr Kinderkrippenplätze zu schaffen. mehr Möglichkeiten, Karriere und Familienplanung zu verbinden, mehr Möglichkeiten, Eltern glücklicher zu machen. Da ist es doch geradezu absurd, sich mit dem Konzept der Herdprämie in die Gegenrichtung zu bewegen. Kurz gesagt: Wenn die frigiden Akademikerinnen jetzt noch weniger Lust auf gebären haben, ist die Angela aber selber schuld.
Und von der ganzen Biedermeier-Nostalgie der konservativen Parteien mal abgesehen: Was ist denn mit frühkindlicher Sozialisation? Ok, es gibt sicher sicher auch andere Mütter auf dem Spielplatz und deren Kinder sind dann die Sandkastenbuddys, aber was ist eigentlich mit faulen Müttern, die ein bisschen Extrageld abgreifen wollen und ihre Kinder vor dem Fernseher parken? (Jetzt ist nicht die Zeit für political correctnes, wir wissen alle, dass es solche gibt). Und was ist mit Müttern, die nicht sehr gut Deutsch sprechen? (Zugegeben, den Deutschunterricht, den kann auch der Fernseher übernehmen.), Aber trotzdem: Wäre eine frühkindliche Sozialisation in einem anderen Umfeld als dem Häuslichen in beiden Fällen nicht sogar ganz gut? Und außerdem: Warum immer gleich den kommunistischen, religiös-traditionell-geprägte-Familienmodelle-zerstörenden Dämon in einer Kinderkrippe sehen? Warum nicht die Möglichkeit der Sozialisation darin sehen? Oder kriegen die Mütter ihre Babys wirklich soooo selten zu sehen?
Egal, wie auch immer, ich kann diese Fragen nicht beantworten. Ich wollte vielmehr gegen ein rückständiges Konzept lamentieren. Heute mal ohne aufwendige Metaphernkonzepte oder viele Sprachbilder oder sonstige Schnörkel. Ich muss sagen, ich fühle ich mich von der Herdprämie doch persönlich beleidigt, auch wenn sie mich wahrscheinlich nicht betreffen wird. Und ironischerweise sind genau solche Konzepte, wie die Herdprämie (die ja das Kinderkriegen attraktiver machen sollte) ein weiterer Grund dafür, dass sie mich wahrscheinlich nicht betreffen wird.
Und ironischerweise wird dieses Konzept auch noch von einer frigiden*, kinderlosen Akademikerin abgesegnet. Man, die Welt ist heute glatt so ironisch, ich kotze ab.
*ich weiß natürlich nichts über die Libido der Bundeskanzlerin (und will auch nichts darüber wissen), es hat hier nur ganz gut in das sprachliche Bild gepasst und ich hab den Ausdruck aus stillistischen Gründen verwendet.
Samstag, 11. Februar 2012
11.02.2012
Ich habe seit Ewigkeiten nichts mehr gepostet, sorry, bald folgen wieder ein paar Werke.
In der Zwischenzeit demonstrieren Susanne und ich aber mit selbstgemalten Plakaten dagegen, dass diffuse und willkürliche Zensurentscheidungen im Internet alle unsere Freunde und uns daran hindern können, weiterhin Kätzchenvideos auf Youtube zu gucken.^^
Es freut mich auch immer wieder, dass die Presse auch dieses Werk von mir zu schätzen weiß.
P.S. Meme - Internetmeme eingeschlossen - sind übrigens Gedankeneinheiten und Verhaltensmuster, die sich innerhalb eines Kulturkreises verbreiten, indem sie von einzelnen Individuen übernommen/imitiert werden. Daher habe ich ein nicht durch Copyright geschütztes Internetmem benutzt, weil es genau die Idee der freien Verbreitung von Wissen und Ideen repräsentiert, die die ACTA-Kritiker durch ACTA gefährdet sehen.
P.S.S. Frierende, europäische Demonstranten, ich bin stolz auf euch!^^
In der Zwischenzeit demonstrieren Susanne und ich aber mit selbstgemalten Plakaten dagegen, dass diffuse und willkürliche Zensurentscheidungen im Internet alle unsere Freunde und uns daran hindern können, weiterhin Kätzchenvideos auf Youtube zu gucken.^^
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| Der Tag davor |
P.S. Meme - Internetmeme eingeschlossen - sind übrigens Gedankeneinheiten und Verhaltensmuster, die sich innerhalb eines Kulturkreises verbreiten, indem sie von einzelnen Individuen übernommen/imitiert werden. Daher habe ich ein nicht durch Copyright geschütztes Internetmem benutzt, weil es genau die Idee der freien Verbreitung von Wissen und Ideen repräsentiert, die die ACTA-Kritiker durch ACTA gefährdet sehen.
P.S.S. Frierende, europäische Demonstranten, ich bin stolz auf euch!^^
Donnerstag, 24. November 2011
Ach du scheiße, Jesus ist zurück!
Ok, ich verspreche, ich halte das Blog hier in Zukunft frei von Politik, aber da der Teutonen-Heiland sich jetzt vom anderen Kontinent zu Wort meldet, kommt mir als überzeugtem Heiden natürlich das Mittagessen hoch.
Karl-Theodor zu Guttenberg kauft sich also mit 20.000 € von einem Strafvervahren frei, palavert aus Kanada darüber, wie sehr er doch jetzt auf die CSU beleidigt ist (weil sie ihn nicht rechtzeitig in Golgota vom Kreuz abgehängt hat, oder was?) und droht auch noch damit, 2013 bei der Bundestagswahl zu kandidieren und, wenn ich mir so die Anzahl der Bild-Leser in der Straßenbahn ansehe, befürchte ich, dass dies durchaus keine leere Drohung ist. Aber das Beste ist: Er gibt immer noch nicht zu, dass seine Doktorarbeit ein Plagiat war, ein auf Zeitmangel und Stress zurückzuführender Fehler - ja, aber Plagiat - nein. "Ich bin kein Betrüger, ich bin ein gestresster Papa."
Was für ein unglaubliches Arschloch... dieser Jesus doch ist.
Da will ich fast der Kirche beitreten, nur um gleich wieder austreten zu können.
Karl-Theodor zu Guttenberg kauft sich also mit 20.000 € von einem Strafvervahren frei, palavert aus Kanada darüber, wie sehr er doch jetzt auf die CSU beleidigt ist (weil sie ihn nicht rechtzeitig in Golgota vom Kreuz abgehängt hat, oder was?) und droht auch noch damit, 2013 bei der Bundestagswahl zu kandidieren und, wenn ich mir so die Anzahl der Bild-Leser in der Straßenbahn ansehe, befürchte ich, dass dies durchaus keine leere Drohung ist. Aber das Beste ist: Er gibt immer noch nicht zu, dass seine Doktorarbeit ein Plagiat war, ein auf Zeitmangel und Stress zurückzuführender Fehler - ja, aber Plagiat - nein. "Ich bin kein Betrüger, ich bin ein gestresster Papa."
Was für ein unglaubliches Arschloch... dieser Jesus doch ist.
Da will ich fast der Kirche beitreten, nur um gleich wieder austreten zu können.
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